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Dry im Rhythmus
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Bruce Springsteen _ Magic

Springsteen zieht das Kaninchen aus dem Hut: die E-Street Band. Für viele ist allein das Magie. Das letzte gemeinsame Album „The Rising“ datiert immerhin auf 2002. Dazwischen gab es zwar mit „Devils and Dust“ ein bemerkenswertes Solo-Album sowie mit den „Seeger Sessions“ eine hübsche Aufarbeitung ur-amerikanischer Folk-Songs, das volle Paket wurde indes einmal mehr zur raren Ware.

Zu den Anfangstagen schien „Bruce Springsteen & The E Street Band“ eine zusammengehörige Selbstverständlichkeit. So war die Band an allen Aufnahmen vom „Boss“, von seinem Erstlingswerk „Greetings From Asbury Park, N.J.“ aus dem Jahr 1972 bis zum Konzeptalbum „Tunnel Of Love“ von 1987 beteiligt. Legendär sind vor allem die gemeinsamen Konzerte, die zumeist drei Stunden und länger dauerten. Springsteen fühlte sich aber mit der Überhöhung seiner Person in Folge des überdimensionalen Erfolgs von „Born In The USA“ immer weniger wohl in seiner Haut und entschloss sich schließlich alte Zöpfe samt Stirnbänder abzuschneiden und es mit neuen Musikern zu versuchen.

Abgesehen von drei neuen Aufnahmen für „Greatest Hits“ von 1995 sollte es so bis 2002 dauern, bis alle wieder (gemeinsam) im Studio standen, nun weitere fünf Jahre bis zu den Aufnahmen von „Magic“. Und: „Magic" ist magisch. All überall hallen die größten Momente von Springsteen und Band als Echo wider. Plötzlich datieren die „Glory Days“ auf heute.

Das Eröffnungsstück, gleichzeitig die erste (mehr oder weniger) Single, geht energisch nach vorn. Der Text ist interpretationsfreudig. Mögen manche eine Trauerweise über den Niedergang des Rock-Radios vermuten, hören andere den metaphorischen Abgesang über ein Amerika, das „Out-Of-Tune“ ist.

"You'll Be Comin' Down" grinst Überfliegern ins Gesicht: Ihr kommt auch wieder runter. Unvermeidbar. Schnell.

„Living In The Future“ klingt wie ein würdiger Nachfolger zu „Hungry Heart“ und wird bei der anstehenden Tour von tausenden Kehlen in den (Hallen-) Himmel geschrieen werden.

"Your Own Worst Enemy", man selbst.

"Gypsy Biker" erzählt von einer letzten Runde, die Biker im Gedenken an einen im Krieg gefallenen Buddy auf ihren Maschinen drehen. Grüße an George.

„Girls In Their Summer Clothes“ hätte bestens auf „Born To Run“ gepasst. Ein Sommernachtstraum.

Mit biblischen Anleihen: "I'll Work For Your Love". Die Botschaft? Liebe ist kein Geschenk, sie muss verdient werden. Oder so?

Das Titelstück ist atmosphärisch dicht und erinnert an „Ghost Of Tom Joad“. Gekonnt spielt Springsteen mit Bildern vom Tricksen und Zaubern und mahnt: "trau nicht was du hörst und noch weniger dem was du siehst".

Wie "Magic" und "Gypsy Biker" ist "Last To Die" letztlich auf die aktuelle Situation in den USA gemünzt. Wer wird der letzte sein, der wegen eines Fehlers stirbt?

Hymnisch nimmt „Long Walk Home“ gefangen, das wohl sagen will: Shit, wir haben uns ganz schön von dem entfernt, was mal Zuhause war.

„Devils Arcade“ schließt als Mini-Oper und kann es dabei fast mit „Jungleland“ aufnehmen. Der Subtext des ein oder anderen Songs kommt hier nochmals ungeschminkt an die Oberfläche: "Du sagst Helden werden gebraucht, also werden Helden gemacht / Jemand platziert ne Wette, jemand bezahlt".

Das Album schließt mit „Terry‘s Song“, welches dem langjährigen Assistenten und Freund von Springsteen, Terry McGovern, gewidmet ist, der unlängst verstarb. Mehr als nur eine Geste. Das Stück fängt unaufdringlich Sympathie und Wärme ein.

„Magic“ ist ein fast schon unwirkliches Album aus einer anderen Zeit und doch ganz im Hier und Jetzt. Das ist kein Hokuspokus, sondern das Ergebnis soliden Handwerks plus einer Prise Zaubersalz. Dafür steht Springsteen auch nach dreißig Jahren wie kein Zweiter. So gehört ist Springsteen – mit E Street Band – nach wie vor vor allem eins... die Zukunft des Rock ’n Roll.

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