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Der lange Weg zum Air und das Air an sich

Wer diese Seite die letzten Monate ab und an besucht und die „News“ gelesen hat, weiß, dass ich seit vergangenem November auf der Suche nach einem neuen Notebook bin bzw. war. Bis dahin hatte ich ein 12 Zoll PowerBook und dieses heiß und innig geliebt. Es war mein erstes Notebook, hat mich gut drei Jahre überall hin begleitet und wurde jeden Tag benutzt. Zum Surfen, zum Texten, zum Konzepten, zum Fotos speichern, betrachten, verwerfen, zum Fernsteuern meiner iTunes Musik (gespeichert auf meinen iMac), zum DVDs schauen, ...

Im Laufe der Zeit wurde das ursprünglich als „Ergänzungsgerät“ erworbene Book immer mehr zu meinem Hauptrechner. Zu meinem iMac bin ich irgendwann nur noch gegangen, wenn aufwendigere Projekte (Video, Grafik) zu bearbeiten waren, was letztlich nur gelegentlich anstand. Als Leopard raus kam merkte ich allerdings, dass die Performance des PowerBooks nicht mehr den gewachsenen Anforderungen der neusten Software gerecht wurde. Es wurde Zeit für einen Wechsel. Auch, da Apple die „Intel-Fahne“ gehisst hatte und das Book mit seinem G4-Chip somit einer vergangenen Dynastie zuzurechnen war. Eine aussterbende Spezies, bei der auch drohte, dass sie nicht mehr lange „supported“ werden würde.

Nur was statt dessen kaufen? Zum damaligen Zeitpunkt gab es nur die Wahl zwischen 13 Zoll Plastik-MacBook oder 15 Zoll Alu-MacBook Pro. Plastik wollte ich nicht und so griff ich nach kurzem Zögern bei Gravis zum Pro, von dem ich allerdings auch gleich enttäuscht war. Die Verarbeitung entsprach nicht dem, was ich mir erhofft hatte und so gab ich es rasch wieder zurück.

Da bereits davon auszugehen war, dass Apple zur Macworld im Januar neue Notebooks vorstellen würde (Pros mit neuem Chip?) entschloss ich mich, darauf zu warten – was mir als sehr ungeduldigem Menschen alles andere als leicht fiel. Am 15. Januar war es endlich soweit und Steve Jobs präsentierte tatsächlich ein neues Notebook, ein ganz neues, das MacBook Air. Gerüchte im Vorfeld des Events kündigten es bereits einige Tage zuvor an.

Das Air hat mich überrascht, begeistert, verwundert, enttäuscht, irritiert. Zunächst war ich Feuer und Flamme, dann hat mich das Fehlen eines optischen Laufwerks, der eingebaute Mono-Lautsprecher und die relativ geringe Taktung des Prozessors doch wieder davon Abstand nehmen lassen. Einige Male hab ich im Apple Store das Gerät bestellt und dann doch sofort wieder storniert.

Um einen Punkt zu machen stapfte ich schließlich wieder zu Gravis, um mir erneut ein Pro zu holen, allerdings ohne große Begeisterung. So ein Pro hätte ich ja schon seit November haben können – in genau der selben Spezifikation, die nach wie vor aktuell war. So hatte ich ein Vierteljahr auf ein Gerät verzichtet und dadurch letztlich nichts gewonnen. Kein Leistungsschub, kein Preisvorteil, nix. Und eigentlich wollte ich doch ein kleineres mobileres Gerät. Aber mit Pro "Look & Feel".

Nach drei Wochen mit dem Pro kam es dann zu einer ersten realen Begegnung mit dem Air – bei Gravis als Ausstellungsstück. Es nahm mich gefangen. Ein Schmuckstück. Ein technisches Wunder. Ein cooles Gerät. Zeitgleich wurden die Gerüchte lauter, dass die Präsentation eines neuen Pro unmittelbar bevorstehen würde. Neu vom Air angetan und im Wissen um ein nahendes „Out of Date“ des Pro bemühte ich mich letzteres rasch wieder abzustoßen, was mir auch – durchaus mit Verlust – gelang.

Also doch ein Air. Entschieden, bestellt. Und zwar entschieden bestellt. Aber: Es kam und kam nicht. Und dann wurden tatsächlich die neuen Pros vorgestellt. Neues Innenleben, reduzierter Preis, erweiterte Funktionalität. Und nu? Neue Zweifel. Neues Hin. Und Her. Am Ende sollte es aber – vorerst – bei einem Air bleiben.

Als das dann endlich ankam, hätte ich nur noch heulen können. Zig Macken und ein angeschmorter Apfel im Displaydeckel ... Das Gerät ging zurück und nach all dem Warten und nicht so richtig wissen, ob das Air überhaupt wirklich meinen Ansprüchen genügen würde, bestellte ich dann doch ein Pro, eines in der neuen Spezifikation.

Das kam und zeige ebenfalls Verarbeitungsfehler. Es ging zurück. Also nochmals einem Air eine Chance geben? Das kam, hatte Macken und ein absolut gelbstichiges Display. Also doch Pro. Das kam und hatte ebenfalls ein mieses Display. Ich bat um Austausch. Auch das Gerät war ... nicht okay. Daraufhin hatte ich genug und keine Lust mehr auf das Thema. Eigentlich.

Es machte und macht mich fassungslos, wie schwierig es zu sein schien und scheint, ein tadelloses Notebook von Apple zu bekommen. Klar wollte ich nach wie vor noch immer eins.

Die Lösung? Ein Gebrauchtes. Sofort verfügbar, was gespart und man kann es anschauen und prüfen, bevor man es kauft. Wer mich kennt weiß, dass das für mich eigentlich ein absolut absurder Gedanke ist, da ich gebrauchte Sachen nicht gerade toll finde. Aber, gedacht – zur Tat gemacht. Und in Schwetzingen dann tatsächlich das MacBook gefunden, das mich seitdem einfach nur happy macht. Ein Air.

All meine vorherigen Vorbehalte und Bedenken bzgl. des Air kommen mir nach einer Woche intensiver Nutzung absolut albern vor. Das Air ist revolutionär. Es ist wunderschön. Und es ist absolut potent. Im "normalen" Nutzen ist kaum ein Unterschied zu einem Pro bemerkbar. Kein Quatsch. Aber eigentlich auch keine Überraschung, betrachtet man die Leistungswerte des Gerätes nüchtern, ohne sich davon irritieren zu lassen, dass es natürlich noch schnellere Prozessoren gibt.

Eingebaut ist ein Core 2 Duo Chip, also ein Chip mit 2 Kernen. Und 1,6 GHz sind auch nicht wirklich lahm. Mein altes PowerBook hatte einen Chip mit einem Kern und 1,5 GHz. Außerdem sind 2 GB Arbeitsspeicher verbaut. Mein altes PowerBook war auf 1,25 GB limitiert. Als Nicht-Gamer bemerke ich das Fehlen einer dezidierten Grafikkarte nicht. Komplexe 3D-Anwendungen wie Motion gehören auch nicht zu meinem Nutzerprofil. Die iLife-Suite, Office, Adobe CS3, Safari, Mail, iCal, Adressbuch – alles überhaupt kein Problem, alles läuft flüssig. Darauf kommt es mir an.

Das Gehäuse ist wundervoll geformt und wirkt durch das verwendete Alu sehr edel. Es fasst sich fantastisch an. Durch das geringe Gewicht ist es eine pure Freude es hochzuheben und rumzutragen. Aufgeklappt strahlt einen ein beeindruckend helles Display an. Lieber wäre mir zwar, es wäre matt, aber es ist absolut okay. Mehr als das. Es spricht mich mehr an, als die aktuell in den Pros verbauten. So verliert glossy für mich allmählich seinen Schrecken und macht die LED-Technik Sinn.

Die Tastatur tippt sich fantastisch und ihre Hintergrundbeleuchtung ist mehr als nur ein Gag, schon eher ein wirklich nützliches Feature, auf welches man nicht mehr verzichten möchte, hat man sich erst mal davon verwöhnen lassen. Das große Trackpad ist nicht nur in cm gigantisch. Genial sind vor allem die Gesten, auf die es das Air reagieren lässt. Gefällt mir gut. Super gut.

Die Festplatte ist mit ihren 80 GB zwar nicht gerade üppig, aber selbst nachdem ich Office und Adobe CS3 installiert, einige Alben und Fotos aufgespielt, eine handvoll Filme gehandbraked und noch so ein paar andere Daten und Dateien auf das Air geschaufelt hab, bleiben mir noch gute 35 GB für weitere Vorhaben. Da die Kiste auch nur mit aktuellen Daten belastet werden soll, komme ich so also fantastisch hin und von der monierten geringen Laufgeschwindkeit merke ich unmittelbar nichts.

Wenn das Air vor einem auf dem Tisch steht, scheint es zu schweben. Traumhaft. Selbst meine große Sorge, der eingebaute Mono-Lautsprecher könnte ein absolutes NO-GO sein, hat sich in Wohlgefallen aufgelöst. Musik streame ich i.d.R. auf meine Anlage (Air Foil lässt weitere Laute beamen) ,auch einen Clip oder Film anzusehen macht durchaus Laune. Der Sound ist klar und nicht nur ein Flüstern, also absolut okay. Die zugegeben rechtslastige Ortung des Speakers bemerke ich nur, wenn ich will.

Filme miete ich, ganz wie Steve es in seiner Keynote prophezeit hat, inzwischen am liebsten im iTunes Store und schau sie nicht selten über unseren Flachbildfernseher, den ich über den Video- und Audioausgang das Air kopple. Die Software, die ich bislang installiert habe, hab ich über das externe Super Drive auf das Air gewuppt, das ich ein-/zweimal auch schon zum Datensichern hilfreich fand (trotz Time Capsule).

So ist das Air dann doch genau das, worauf ich seit November – zum Teil verzweifelt –gehofft hab: DER legitime Nachfolger zum kleinen PowerBook. Anders als erwartet, aber besser als gedacht. Ein gewagtes Teil, das umso mehr gewinnt, umso länger man es benutzt. Und man benutzt es gern, denn es ist nützlich. Und super-schön.

Ein langer Weg. Aber ... mit Happy End.

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